Weißkittelsyndrom: Hoher Blutdruck nur beim Arzt

Eigentlich ist die sportliche und selbstbewusste 26-jährige Julia vor Arztbesuchen nicht nervös. Doch seit ihrem Umzug in die große Stadt ist Julia zum ersten Mal bei einer neuen Frauenärztin – der Grund:  eine mögliche Schwangerschaft! Die Nervosität will sie sich aber nicht anmerken lassen. Abgehetzt und mit leerem Magen schafft Julia es gerade noch rechtzeitig zum Termin. Von den vielen Treppen und dem leeren Magen – die Praxis ist im vierten Stock – ist ihr ganz schwindelig geworden. Die Aufregung ob einer möglichen Schwangerschaft arbeitet in der jungen Studentin. Die Ärztin ist jedoch noch beschäftigt und lässt Julia warten. Nach eineinhalb Stunden Wartezeit ist Julia bereits sehr genervt. Ärger und Nervosität beherrschen ihr Inneres, doch sie gibt sich nach außen gelassen. Endlich wird zumindest ihr Blutdruck gemessen. Doch, oh Schreck, der weist erhöhte Werte auf! Die Arzthelferin erkundigt sich sofort nach früheren Blutdruckmessungen. Bislang hatte Julia immer einen eher niedrigen Blutdruck. Als Julia endlich an der Reihe ist, rät die Ärztin ihr, in der nächsten Zeit ein paar Mal zuhause den Blutdruck zu messen. Warum schlagen bei der Ärztin nicht sofort die Alarmglocken?

Frau mit Weißkittelsyndrom beim Blutdruckmessen

Das Weißkittelsyndrom – was ist das?

Der Gang zum Arzt – für viele oftmals einfach nur müßig. Andere jedoch müssen sich regelrecht dazu zwingen. Kein Wunder, dass letztere innerlich gestresst bei der Blutdruckmessung höhere Werte aufweisen. Auch bei Patienten wie Julia, die nicht nervös erscheinen, kann jedoch innere Nervosität, das Abhetzen zum Termin, das lange Warten, das Julia verärgerte, oder allein die Angst vor hohem Blutdruck zu verfälschten Blutdruckwerten führen.

Der Blutdruck weist im Laufe des Tages gewisse Schwankungen auf. Morgens und vormittags ist er in der Regel höher, zum Abend hin wird er niedriger. Auch Sport und Aufregung können den Blutdruck kurzfristig steigern. Oder eben ein Besuch beim Arzt – eine Aufregung beim Blutdruckmessen verspüren viele Menschen in Deutschland. Das wirkt sich auf die Blutdruckmessung aus, denn die Blutdruckwerte können durch diese Einflussfaktoren in die Höhe schnellen. Und zeigen nicht das übliche Bild der Blutdruckwerte.

Wie zeigen sich die Symptome einer Weißkittelhypertonie?

Das Weißkittelsyndrom zeigt sich beim Blutdruckmessen durch den Arzt: nämlich dann wenn die Messung höhere Blutdruckwerte ergibt, als sie der Patient normalerweise hat. Während die Werte beim Arzt (sehr) hoch sind, zeigt eine Messung zuhause niedrigere Werte an.

Weißkittelhypertonie – was tun?

Ist eine Behandlung bzw. Therapie gegen die Weißkittelhypertonie möglich? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko für eine Weißkittelhypertonie zu minimieren:

  • Konfrontation

    Meiden Sie nicht den Arztbesuch, im Gegenteil konfrontieren Sie sich mit Ihrer Angstsituation!

  • Entspannende Musik

    Hören Sie auf dem Weg zur Arztpraxis Musik, die Sie entspannt.

  • Entspannter Weg zum Arzt

    Rennen oder beeilen Sie sich nicht auf dem Weg in die Praxis, sondern rechnen Sie genügend Zeit ein, um ohne Eile pünktlich ankommen zu können.

  • Entspannung im Wartezimmer

    Lesen Sie in der Arztpraxis ein positives und schönes Buch, hören Sie entspannende Musik oder versuchen Sie zu schlafen. Auch Lächeln hilft.

  • Arzt informieren

    Informieren Sie vor der Messung Ihren Arzt über Ihr Weißkittelsyndrom.

  • Seien Sie stolz auf sich!

    Nach einer Blutdruckmessung mit „normalen“ Werten seien Sie stolz auf sich und gratulieren Sie sich! Das stärkt Ihr Selbstbewusstsein.